
Fachübersetzung
Teil von Wie wähle ich einen Fachübersetzungsdienstleister für Exporte aus?
Kosten für Fachübersetzungen kalkulieren: Preisfaktoren und Angebotsanfrage
Fachübersetzungskosten kalkulieren: Zeilenpreis, Mindestpreis, Zuschläge, Zahlungsbedingungen und Angebotsanfrage mit Beispielrechnung in Euro und MwSt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Preisbestimmend sind Sprachpaar, Fachgebiet, Textmenge, Dringlichkeit und Zusatzleistungen wie Lektorat.
- Freie Anbieter legen Zeilenpreis und Mindestpreis selbst fest; die Beispielrechnung unten arbeitet mit 1,60 Euro je Normzeile.
- Für Gerichte und Behörden gelten feste Vergütungssätze, keine freien Marktpreise.
- Angebote sind nur vergleichbar, wenn alle Anbieter identische Auftragsdaten erhalten.
- Zuschläge, Liefertermin und Zahlungsziel stehen als getrennte Positionen im Angebot.
Zeilenpreis, Mindestpreis und Sprachpaar
Eine Normzeile umfasst 55 Zeichen einschließlich Leerzeichen, das ist die gängige Abrechnungsbasis. Auf dieser Grundlage kalkulieren Full-Service-Dienstleister, ebenso freiberufliche Fachübersetzer.
Der Zeilenpreis folgt dem Sprachpaar. Englisch nach Deutsch liegt am unteren Rand, Finnisch oder Japanisch nach Deutsch deutlich darüber. Das Fachgebiet wirkt ebenfalls: Patentschriften und Normen verlangen Terminologiearbeit, Betriebsanleitungen zusätzlich Lektorat und Freigabe nach DIN EN ISO 17100.
Für gerichtliche und behördliche Übersetzungen gilt § 11 JVEG mit einem Grundhonorar von 1,95 Euro je angefangene 55 Anschläge bei editierbarer Vorlage und 2,15 Euro bei nicht editierbarer Vorlage. Das ist eine gesetzliche Vergütung, kein Marktpreis.
Ein Mindestpreis greift bei kurzen Texten. Für eine Urkunde oder eine halbe Seite setzen Anbieter einen Sockelbetrag an, weil Anfrage, Abstimmung und Abrechnung fixe Arbeit sind.
Beispielrechnung: technische Dokumentation, 2.400 Wörter
Ein Hersteller lässt 2.400 Wörter technischer Dokumentation aus dem Englischen übersetzen. Das sind rund 15.000 Zeichen, also 273 Normzeilen. Kalkuliert wird mit 1,60 Euro je Normzeile, 25 Prozent Eilzuschlag und Lektorat zu 0,40 Euro je Normzeile.
Beispielrechnung technische Dokumentation
- 273Normzeilen
- 436,80 EuroÜbersetzung netto
- 655,20 EuroZwischensumme netto
- 779,69 EuroRechnungsbetrag brutto
Beispielrechnung technische Dokumentation
| Position | Menge | Satz | Betrag netto |
|---|---|---|---|
| Übersetzung | 273 Normzeilen | 1,60 Euro | 436,80 Euro |
| Eilzuschlag | 25 Prozent | auf Übersetzung | 109,20 Euro |
| Lektorat | 273 Normzeilen | 0,40 Euro | 109,20 Euro |
| Zwischensumme | 655,20 Euro | ||
| Umsatzsteuer | 19 Prozent | 124,49 Euro | |
| Rechnungsbetrag | 779,69 Euro |
Bei 30 Tagen Zahlungsziel und 2 Prozent Skonto für Zahlung innerhalb von zehn Tagen sinkt der Nettobetrag um 13,10 Euro. Das Skonto entspricht rechnerisch einer Verzinsung von rund 37 Prozent pro Jahr, weil der Abzug in 20 Tagen erwirtschaftet wird. Alle Beträge sind Beispielzahlen und keine erhobenen Marktdaten.
Zuschläge, Dolmetschen und Umsatzsteuer
Eilzuschläge sind üblich, wenn sich die Lieferzeit halbiert; die Höhe legt der Anbieter im Angebot fest. Formatierung, beglaubigte Fassungen und Nachtarbeit werden ebenfalls beaufschlagt und als eigene Position ausgewiesen.
Für Dolmetscherleistungen bei Gericht und Behörden gelten die Sätze des § 9 JVEG. Für freie Aufträge sind sie nicht bindend, Nacht- und Wochenendzuschläge werden dort einzeln vereinbart.
Die Umsatzsteuer hängt vom Sitz des Anbieters ab. Bei einem Dienstleister in einem anderen EU-Staat schuldet der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer nach § 13b UStG. Deutsche Kleinunternehmer nach § 19 UStG stellen keine Umsatzsteuer in Rechnung.
Üblich sind 14 oder 30 Tage netto, bei Neukunden teils Anzahlungen, deren Höhe im Angebot steht. Anzahlungen sollten an Teil-Lieferungen gekoppelt werden.
Angebotsanfrage in fünf Schritten
Ein Leistungsverzeichnis aus Sicht des Auftraggebers und ein Kalkulationsraster für die Anbieter genügen. Die fünf Schritte:
- Auftragsdaten festhaltenSprachpaar, Fachgebiet, Textmenge in Wörtern oder Normzeilen, Format und Liefertermin.
- Qualitätsnachweis verlangenProzess nach DIN EN ISO 17100 und Referenzen im Fachgebiet.
- Preise getrennt abfragenZeilenpreis, Mindestpreis, Zuschläge, Lektorat und Umsatzsteuer als eigene Positionen.
- Zahlungsbedingungen fixierenZahlungsziel, Skonto und Anzahlung.
- Anbieterkreis festlegendrei bis fünf Anbieter mit identischen Auftragsdaten anfragen.
Angebotsanfrage in fünf Schritten
- Auftragsdaten festhalten
- Qualitätsnachweis verlangen
- Preise getrennt abfragen
- Zahlungsbedingungen fixieren
- Anbieterkreis festlegen
Adressen liefern die Verzeichnisse des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer, der ADÜ Nord und der Landgerichte, in denen öffentlich bestellte und beeidigte Übersetzer geführt werden. Bei öffentlichen Aufträgen gelten VgV und UVgO, Bekanntmachungen laufen über das EU-Portal TED. Der DIHK bündelt Themenfelder für Unternehmen, darunter Hinweise zu Vergabe und Vertragsgestaltung.
Manche Übersetzungsplattformen rechnen nutzungsabhängig ab, Übersetzungswerkzeuge arbeiten mit Translation Memories. Maschinenübersetzung kann bei großen Mengen mit anschließender Nachbearbeitung infrage kommen.
Verglichen wird netto, mit getrennt ausgewiesener Umsatzsteuer und verbindlichem Liefertermin. Stunden für Projektmanagement und Terminologiearbeit gehören in die Kalkulation.
Häufige Fragen
Was kostet eine Fachübersetzung je Normzeile?
Eine allgemeine Zahl gibt es nicht. Der Zeilenpreis folgt aus Sprachpaar, Fachgebiet und Anbieter. Für Gerichte gilt der Satz des § 11 JVEG.
Warum verlangen Anbieter einen Mindestpreis?
Annahme, Abstimmung, Terminologieprüfung und Rechnung verursachen feste Kosten. Bei sehr kurzen Texten deckt der Mindestpreis diese Fixkosten ab.
Welche Zuschläge sind üblich?
Eilzuschläge sowie Aufschläge für Formatierung und beglaubigte Fassungen. Jeder Zuschlag gehört als eigene Position ins Angebot.
Welche Anbieter sollten angefragt werden?
Drei bis fünf, darunter ein Full-Service-Anbieter (Hinweise: Fachübersetzungen für Export oder Behörden im Vergleich) und ein freiberuflicher Fachübersetzer aus dem Verzeichnis des BDÜ.
Wie wirken Zahlungsziel und Skonto?
Ein Ziel von 30 Tagen schont die Liquidität. Zwei Prozent Skonto bei zehn Tagen entsprechen rechnerisch rund 37 Prozent Jahreszins und sind günstiger als der Kontokorrentkredit.



