
Fachübersetzung
Beeidigte Übersetzer: Zuständigkeit, Recht und Verfahren
Beeidigte Übersetzer: wer zuständig ist, welche Paragrafen in GVG, ZPO und JVEG gelten, wie der Antrag abläuft und was NRW, Bayern und Berlin unterscheidet.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Beeidigte Übersetzer werden nicht bundesweit einheitlich bestellt, sondern nach Landesrecht; zuständig sind Justizprüfungsämter und Landesjustizverwaltungen.
- Die Beeidigung setzt persönliche Zuverlässigkeit, fachliche Eignung und in der Regel einen Wohnsitz oder eine Niederlassung im jeweiligen Bundesland voraus.
- Bundesrechtlich relevant sind § 189 GVG, § 142 Absatz 3 ZPO, das RDG und § 11 JVEG; das JVEG regelt die Vergütung, wenn Gerichte Übersetzungen anfordern.
- Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin unterscheiden sich bei Zuständigkeit, Prüfung und Wohnsitzpflicht.
- Ausländische Qualifikationen werden nicht automatisch anerkannt; die zuständige Stelle prüft ihre Gleichwertigkeit.
- Für Auftraggeber zählt neben der Beeidigung die Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 17100.
Was beeidigte Übersetzer in Deutschland rechtlich auszeichnet
Wer eine beeidigte Übersetzung braucht, fragt selten nach der Rechtsgrundlage. Dabei entscheidet sie darüber, wer unterschreiben und siegeln darf. Der Begriff ist kein Berufsschutz wie bei Ärzten oder Anwälten. Er bezeichnet eine öffentliche Bestellung durch eine staatliche Stelle.
Beeidigte Übersetzer bestätigen mit ihrer Unterschrift und ihrem Stempel, dass eine Übersetzung mit dem Original übereinstimmt. Diese Bestätigung hat für Behörden und Gerichte besonderes Gewicht. Sie ist keine Garantie für inhaltliche Richtigkeit im juristischen Sinn, sondern eine Erklärung zur Übereinstimmung.
Die Bestellung erfolgt durch die Landesjustizverwaltung oder eine von ihr beauftragte Stelle. Deshalb gilt die Beeidigung grundsätzlich nur in dem Bundesland, das sie ausgesprochen hat. Eine bundesweite Anerkennung gibt es nicht automatisch, auch wenn viele Behörden beeidigte Übersetzer aus anderen Ländern akzeptieren.
Für Übersetzer bedeutet das: Wer in mehreren Bundesländern tätig sein will, prüft die dortigen Regeln getrennt. Ein beeidigter Übersetzer aus Nordrhein-Westfalen ist nicht automatisch in Bayern zur Beeidigung zugelassen. Die Voraussetzungen ähneln sich, die Verfahren unterscheiden sich.
Wichtig ist die Abgrenzung zur allgemeinen Übersetzungstätigkeit. Jeder darf Texte übersetzen, solange er keine Rechtsdienstleistung erbringt. Die Beeidigung ist ein zusätzlicher staatlicher Akt, der an persönliche und fachliche Voraussetzungen gebunden ist.
Die Rolle von Justizprüfungsämtern und Landesjustizverwaltungen bei der Beeidigung
Die Zuständigkeit liegt bei den Ländern. In vielen Bundesländern sind Justizprüfungsämter die ersten Ansprechpartner. Sie prüfen die vorgelegten Unterlagen, organisieren gegebenenfalls eine Prüfung und bereiten die Beeidigung vor.
Ablauf der Beeidigung
- Unterlagen einreichenZeugnisse, Lebenslauf, Sprachnachweise
- Behörde prüft fachliche Eignung
- Fehlt NachweisPrüfung wird angeordnet
- Beeidigung durch Richter oder Beauftragten
- Urkunde erhalten, Titel führen
Die Landesjustizverwaltung, also das jeweilige Justizministerium oder die Senatsverwaltung, setzt das Landesrecht um. Dort ist geregelt, welche Sprachen zugelassen sind, welche Nachweise gelten und wie lange die Beeidigung wirkt. Das Justizprüfungsamt wendet diese Vorgaben im Einzelfall an.
Der Ablauf ist meist ähnlich. Zuerst reicht der Bewerber Unterlagen ein, etwa Zeugnisse, Lebenslauf und Nachweise über die Sprachkompetenz. Dann prüft die Behörde, ob die fachliche Eignung belegt ist. Fehlt ein Nachweis, kann eine Prüfung angeordnet werden.
Nach erfolgreicher Prüfung folgt die Beeidigung durch einen Richter oder einen Beauftragten der Justizverwaltung. Der Übersetzer leistet einen Eid oder eine Bekräftigung. Danach erhält er eine Urkunde und darf den Titel führen.
In der Praxis sind die Ämter unterschiedlich ausgelastet. Wer Unterlagen einreicht, sollte mit Bearbeitungszeiten von mehreren Wochen bis Monaten rechnen. Eine frühzeitige Nachfrage beim zuständigen Justizprüfungsamt spart Zeit.
Bundesrechtliche Grundlagen: RDG, GVG und JVEG im Überblick
Die Beeidigung selbst ist Landesrecht. Mehrere Bundesgesetze rahmen sie jedoch ein und regeln, was beeidigte Übersetzer dürfen, wo ihr Eid gilt und wie sie vergütet werden.
Das Rechtsdienstleistungsgesetz begrenzt die Befugnis zur Rechtsberatung. Übersetzer, die Urkunden übersetzen, erbringen keine Rechtsdienstleistung im Sinne des Gesetzes. Wer jedoch rechtliche Zusammenhänge erläutert, kann die Grenze überschreiten. Die bundesrechtliche Grundlage steht im Rechtsdienstleistungsgesetz im Gesetzesportal.
Das Gerichtsverfassungsgesetz regelt unter anderem die Heranziehung von Dolmetschern vor Gericht. § 189 Absatz 2 GVG bestimmt: Wer nach dem Gerichtsdolmetschergesetz oder in einem Land nach den landesrechtlichen Vorschriften allgemein beeidigt ist, kann sich vor allen Gerichten des Bundes und der Länder auf diesen Eid berufen. Ein neuer Eid in jedem Verfahren ist dann nicht nötig.
Für schriftliche Übersetzungen ist § 142 Absatz 3 der Zivilprozessordnung wichtig. Danach kann das Gericht anordnen, dass von fremdsprachigen Urkunden eine Übersetzung beigebracht wird, die ein nach landesrechtlichen Vorschriften ermächtigter oder öffentlich bestellter Übersetzer angefertigt hat. Bescheinigt dieser Übersetzer die Richtigkeit und Vollständigkeit, gilt die Übersetzung als richtig und vollständig.
Das Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz legt fest, wie Übersetzer für gerichtliche Aufträge bezahlt werden. Maßgeblich ist § 11 JVEG („Honorar für Übersetzer“): Er rechnet nach Anschlägen des schriftlichen Textes ab, und für deren Anzahl zählt grundsätzlich der Text in der Zielsprache. Die geltenden Sätze finden sich im Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz im Gesetzesportal.
Wer prüfen will, welche weiteren Bundesnormen den Begriff verwenden, nutzt die Volltextsuche nach beeidigten Übersetzern. Dort lassen sich Begriffe wie beeidigter Übersetzer in Bundesrecht gezielt nachschlagen.
Beispiele aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin
Die Länder regeln Details unterschiedlich. Die folgende Übersicht zeigt die Grundzüge, ersetzt aber keine Prüfung der aktuellen Landesvorschriften.
NRW, Bayern, Berlin im Vergleich
Nordrhein-Westfalen
- Zuständige Stelle
- Justizprüfungsamt beim OLG
- Eignungsnachweis
- Zeugnisse oder Prüfung
- Wohnsitz
- nicht betont
- Besonderheit
- viele Sprachen möglich
Bayern
- Zuständige Stelle
- Landesjustizverwaltung
- Eignungsnachweis
- Prüfungsausschüsse, oft Prüfung
- Wohnsitz
- in der Regel Voraussetzung
- Besonderheit
- strenge Sprachprüfung
Berlin
- Zuständige Stelle
- Senatsverwaltung für Justiz
- Eignungsnachweis
- Qualifikation oder Ermächtigung
- Wohnsitz
- klare Vorgaben
- Besonderheit
- Beeidigung und Ermächtigung getrennt
Bundesländer im Vergleich
Zuständige Stelle
- Nordrhein-Westfalen
- Justizprüfungsamt beim Oberlandesgericht
- Bayern
- Landesjustizverwaltung mit Prüfungsausschüssen
- Berlin
- Senatsverwaltung für Justiz
Besonderheit
- Nordrhein-Westfalen
- Beeidigung für viele Sprachen möglich, Nachweis der fachlichen Eignung über Zeugnisse oder Prüfung
- Bayern
- Strenge Prüfung der Sprachkompetenz, teils mündliche und schriftliche Prüfung
- Berlin
- Beeidigung und Ermächtigung getrennt geregelt, klare Vorgaben zu Wohnsitz und Sprachpaar
In Nordrhein-Westfalen läuft das Verfahren über das Justizprüfungsamt. Bewerber müssen ihre fachliche Eignung belegen, meist durch ein abgeschlossenes Studium, eine staatliche Prüfung oder eine vergleichbare Qualifikation. Für seltene Sprachen entscheidet das Amt im Einzelfall.
In Bayern prüfen eigene Ausschüsse die Kenntnisse. Die Anforderungen gelten als anspruchsvoll, besonders bei Gerichtssprachen. Wer keine einschlägige Ausbildung nachweist, muss häufig eine Prüfung ablegen. Der Wohnsitz in Bayern ist in der Regel Voraussetzung.
Berlin trennt zwischen Beeidigung und Ermächtigung. Die Beeidigung richtet sich an Übersetzer mit entsprechender Qualifikation, die Ermächtigung an Personen ohne formale Ausbildung, aber mit nachgewiesener Eignung. Beide Wege führen zur Befugnis, beglaubigte Übersetzungen zu erstellen.
Gemeinsam ist allen Ländern: Wer beeidigt werden will, muss zuverlässig sein. Vorstrafen, laufende Verfahren oder wirtschaftliche Schwierigkeiten können entgegenstehen. Die Behörden prüfen dies über Führungszeugnis und Erklärungen.
Wie konkret das Landesrecht aussieht, zeigt Brandenburg. Dort werden Übersetzer für die schriftliche Sprachübertragung nach § 142 Absatz 3 ZPO ermächtigt, und zwar auf Grundlage des Brandenburgischen Sprachmittlergesetzes (BbgSpMG); Dolmetscher werden nach dem Gerichtsdolmetschergesetz (GDolmG) allgemein beeidigt. Zuständig sind nach der Brandenburgischen Sprachmittlergesetzzuständigkeitsverordnung (BbgSpMGZV) die Präsidentinnen und Präsidenten der Landgerichte Cottbus, Frankfurt (Oder), Neuruppin und Potsdam. Örtlich entscheidet der Wohnsitz oder die berufliche Niederlassung; wer beides nicht im Land hat, wendet sich an das Landgericht Potsdam. Der Antrag läuft über den amtlichen Vordruck, zusammen mit Lebenslauf und den Nachweisen der persönlichen und fachlichen Eignung.
Anerkennung und Ermächtigung: Wege für Übersetzer mit ausländischer Qualifikation
Wer im Ausland studiert hat, kann die Qualifikation anerkennen lassen. Zuständig sind je nach Beruf die Länder. Die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen ist ein eigenes Verfahren. Auf Bundesebene regelt das Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen (BQFG) dieses Verfahren; für landesrechtlich geregelte Tätigkeiten wie die Beeidigung gelten die Anerkennungsgesetze der Länder.
Für die Beeidigung bedeutet das: Ein ausländischer Abschluss wird nicht automatisch anerkannt. Die Behörde prüft, ob er einem deutschen Abschluss gleichwertig ist. Fehlen Inhalte, kann eine Ausgleichsmaßnahme nötig werden, etwa eine Prüfung oder ein Anpassungskurs.
Die Ermächtigung ist der zweite Weg. Sie erlaubt ebenfalls beglaubigte Übersetzungen, setzt aber keine formale Übersetzerausbildung voraus. Stattdessen wird die Eignung gesondert festgestellt, häufig durch eine Prüfung vor der Landesjustizverwaltung.
Sprachzertifikate können den Weg erleichtern. Prüfungen des Goethe-Instituts oder des TestDaF-Instituts belegen Deutschkenntnisse, ersetzen aber keine fachliche Qualifikation. Für die Beeidigung zählt vor allem die Übersetzungskompetenz im jeweiligen Sprachpaar.
Wer unsicher ist, fragt zuerst beim Justizprüfungsamt des Zielbundeslandes nach. Dort erfährt man, welche Nachweise anerkannt werden und ob eine Prüfung nötig ist. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil jedes Land eigene Maßstäbe setzt.
Kosten, Gebühren und Gültigkeitsdauer der Beeidigung
Die Kosten setzen sich aus Verwaltungsgebühren und möglichen Prüfungsgebühren zusammen. Ihre Höhe legt das jeweilige Bundesland in seinem Gebührenrecht fest; verbindlich nennt sie nur das zuständige Justizprüfungsamt vor der Antragstellung.
Für gerichtliche Aufträge gilt das JVEG. Es regelt, wie Übersetzer vergütet werden, wenn ein Gericht sie beauftragt. Die Sätze in § 11 JVEG sind gesetzlich festgelegt und nicht frei verhandelbar. Für private Aufträge gibt es keine festen Sätze, hier gelten übliche Honorare.
Die Beträge stehen im Gesetz selbst. Nach § 11 JVEG zum Honorar für Übersetzer beträgt das Grundhonorar 1,95 Euro für jeweils angefangene 55 Anschläge, wenn der Text in editierbarer elektronischer Form vorliegt; andernfalls gilt das erhöhte Honorar von 2,15 Euro. Ist die Übersetzung besonders erschwert, etwa durch viele Fachausdrücke, schwere Lesbarkeit, besondere Eile oder eine in Deutschland selten vorkommende Sprache, steigen die Sätze auf 2,15 Euro und 2,30 Euro. Für eine oder mehrere Übersetzungen aus demselben Auftrag beträgt das Honorar mindestens 20 Euro. Die Gültigkeitsdauer ist unterschiedlich. In einigen Ländern wird die Beeidigung unbefristet erteilt, in anderen befristet und muss verlängert werden. Ein Beispiel ist Brandenburg: Dort gilt seit 2023 eine fünfjährige Befristung der öffentlichen Bestellung und allgemeinen Beeidigung von Dolmetschern und Übersetzern. Wer die Verlängerung versäumt, verliert die Befugnis, bis er sie nachholt.
Die folgende Checkliste fasst wichtige Punkte für den Beeidigungsantrag zusammen:
Checkliste Beeidigung beantragen
- Antragsunterlagen vollständig, inklusive Zeugnisse
- Führungszeugnis beantragt und vorgelegt
- Nachweis der Eignung oder Prüfungsanmeldung
- Gebühren überwiesen, Quittung aufbewahrt
- Urkunde erhalten und Gültigkeit notiert
- Verlängerungstermin im Kalender eingetragen
- Zuständige Stelle klärenJustizprüfungsamt oder Landesjustizverwaltung des Bundeslandes, in dem Wohnsitz oder Niederlassung liegt.
- Fachliche Eignung belegenZeugnisse über Studium, staatliche Prüfung oder vergleichbare Qualifikation im Sprachpaar, sonst Prüfung einplanen.
- Persönliche Zuverlässigkeit nachweisenFührungszeugnis und die geforderten Erklärungen zu Verfahren und wirtschaftlichen Verhältnissen beilegen.
- Ausländische Abschlüsse vorab auf Gleichwertigkeit prüfen lassen und mögliche Ausgleichsmaßnahmen einrechnen.
- Gebühren und Bearbeitungszeit beim Amt erfragen und den Antrag vollständig einreichen.
- Nach der Beeidigung Urkunde aufbewahren, eine mögliche Befristung notieren und die Verlängerung rechtzeitig beantragen.
Wer die Beeidigung verliert, etwa durch Umzug ins Ausland oder Straffälligkeit, muss sie neu beantragen. Die Behörde kann sie auch widerrufen, wenn die Voraussetzungen entfallen.
Beeidigung und Qualitätssicherung: zwei unterschiedliche Nachweise
Die Beeidigung sagt etwas über die Person, nicht über den Prozess. Für Auftraggeber ist deshalb die Norm DIN EN ISO 17100 relevant. Sie legt Anforderungen an Übersetzungsdienstleistungen fest, etwa an Qualifikation, Korrektur und Dokumentation.
Die Deutsche Akkreditierungsstelle akkreditiert Zertifizierungsstellen, die Übersetzungsdienstleister nach dieser Norm prüfen. Ein Zertifikat belegt, dass ein Anbieter definierte Prozesse einhält. Es ersetzt keine Beeidigung, ergänzt sie aber.
Wer beeidigte Übersetzungen für Behörden braucht, sollte beides prüfen. Die Beeidigung weist die Berechtigung nach, die Norm die Arbeitsweise. Für große Projekte mit vielen Dokumenten ist das ein praktischer Unterschied.
Berufsverbände wie der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer bieten Orientierung zu beruflichen Standards. Eine Mitgliedschaft ersetzt jedoch nicht die staatliche Beeidigung.



