Fachübersetzung
Teil von Wie wähle ich einen Fachübersetzungsdienstleister für Exporte aus?
Welche Werkzeuge halten mehrsprachige Fachbegriffe in Exporttexten einheitlich?
Terminologiewerkzeuge im Vergleich: Datenbanken, Translation Memory, Glossarformate, Prüfwerkzeuge sowie Aufnahmekriterien und Beispielkosten pro Lizenz und Jahr.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Terminologiedatenbanken speichern je Begriff Definition, Quelle, Kontext und Status.
- Translation-Memory-Systeme schlagen freigegebene Segmente in neuen Texten wieder vor.
- TBX, XLIFF und CSV sind die üblichen Austauschformate für Glossare.
- Prüfwerkzeuge kontrollieren Terminologie, Zahlen und Auszeichnungen vor der Auslieferung.
- Lizenzkosten lassen sich nur als Beispielrechnung mit klaren Annahmen kalkulieren.
Terminologiedatenbanken und Translation-Memory-Systeme
Terminologiedatenbanken sind die zentrale Ablage für Fachbegriffe. Zu jedem Eintrag gehören Ausgangsbegriff, zugelassene Übersetzung, Wortart, Fachgebiet, Definition, Kontextsatz, Quelle und ein Status wie freigegeben oder vorgeschlagen. Diese Felder machen einen Eintrag prüfbar. Fehlt die Definition, bleibt offen, ob zwei Übersetzer denselben Gegenstand meinen.
Bekannte Systeme sind MultiTerm von RWS, QTerm in memoQ, TermWeb, Across und die Terminologieverwaltung in Phrase. Translation-Memory-Systeme speichern übersetzte Segmente samt Umgebung und schlagen sie bei neuen Exporttexten erneut vor. Verbreitete Programme sind Trados Studio, memoQ, Across und Phrase. Die Einheitlichkeit wächst mit jeder Lieferung, weil das System frühere Entscheidungen wiederverwendet.
Translation Memory arbeitet segmentweise, meist satzweise. Wer einen Begriff über Satzgrenzen hinweg prüfen will, braucht zusätzlich eine Konkordanzsuche über den gesamten Bestand. Beide Bausteine greifen ineinander: Das Translation Memory liefert den Satz, die Terminologiedatenbank erzwingt den Begriff.
Exportdokumente wie Handelsrechnungen, Ursprungsnachweise und Datenblätter folgen festen Formularen und müssen über Jahre nachvollziehbar bleiben, wie die Übersicht zu Exportanforderungen bei Germany Trade & Invest zeigt. Welche Angaben Ausfuhrpapiere enthalten müssen, beschreibt die Ausfuhrkontrolle des BAFA.
Aus diesen Pflichtangaben entstehen die meisten Glossareinträge. Für den Außenhandel bündelt der DIHK Themen und Dokumente zum internationalen Handel. Jeder Beleg wird als Quelle im Eintrag vermerkt, damit die Festlegung später nachvollziehbar bleibt.
Glossarformate und Aufnahmekriterien
Glossare werden in wenigen Formaten ausgetauscht. TBX nach ISO 30042 ist der Standard für Terminologiedatenbanken, XLIFF dient dem Austausch zwischen Übersetzungswerkzeugen, CSV und Excel eignen sich für einfache Listen, MultiTerm XML für Trados-Umgebungen. Ein Formatwechsel bleibt nur dann verlustfrei, wenn alle Felder belegt sind.
Welche Begriffe aufgenommen werden, entscheidet eine Terminologierichtlinie. Das Verfahren läuft in fünf Schritten:
- Bedarf melden: Wer braucht welchen Begriff und warum?
- Beleg suchen: Fundstelle in Norm, Datenblatt oder Katalog.
- Definition und Kontext ergänzen, Wortart und Fachgebiet festlegen.
- Status setzen und Zuständigkeit bestimmen, etwa Terminologe oder Produktmanagement.
- Veröffentlichen, im Exporttext anwenden und jährlich prüfen.
Aufnahmekriterien sind: Der Begriff kommt in Exporttexten wiederkehrend vor, er hat rechtliche oder technische Bedeutung, und er lässt sich von einem Alltagswort abgrenzen. Produktnamen, Abkürzungen und Maßeinheiten gehören dazu, Synonyme werden als solche gekennzeichnet. Ein überfülltes Glossar ist schwerer zu pflegen als eine kurze, belegte Liste.
Prüfwerkzeuge für die Auslieferung
Vor der Auslieferung prüfen Werkzeuge den Text gegen die Datenbank. Xbench, Verifika und QA Distiller lesen Bilingualdateien und melden Abweichungen. In Trados Studio und memoQ sind ähnliche Prüfläufe enthalten, etwa für Terminologie, Zahlen, Auszeichnungen, doppelte Leerzeichen und Segmentlängen.
Die Fehlerarten sind getrennt zu behandeln. Ein falscher Fachbegriff ist ein Terminologiefehler, eine geänderte Zahl ein Inhaltsfehler, ein fehlendes Tag ein Formatfehler. Jede Klasse bekommt eine eigene Freigaberegel und eine eigene Fehlertoleranz.
Prüfläufe ersetzen die fachliche Freigabe nicht. Terminologen bestätigen neue Einträge, das Produktmanagement bestätigt Produktnamen, die Rechtsabteilung prüft Pflichtangaben. Bei cloudbasierten Werkzeugen kommt die Rechtslage hinzu, dazu bündelt Bitkom Themen zu Recht und Datenschutz.
Was Lizenzen kosten: eine Beispielrechnung
Preise hängen von Arbeitsplätzen, Server oder Cloud und Wartungsvertrag ab. Freelancer-Versionen starten niedrig, Unternehmenslizenzen mit Terminologieverwaltung und Schnittstellen liegen deutlich höher. Die folgende Rechnung ist ein Kalkulationsbeispiel mit angenommenen Werten, kein Angebot.
Beispielrechnung für fünf Arbeitsplätze, Beträge netto zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer:
| Position | Preis je Lizenz und Jahr | Summe |
|---|---|---|
| Translation-Memory-System | 300 Euro | 1.500 Euro |
| Terminologiedatenbank | 150 Euro | 750 Euro |
| Prüfplatz, zwei Stück | 200 Euro | 400 Euro |
| Summe | 2.650 Euro |
Bei jährlicher Zahlung sinkt die Anfangslast, bei Einmalkauf steigen die Wartungskosten. Eine Einzelplatzlizenz liegt in der Kalkulation niedriger, eine Serverlösung mit mehreren Datenbanken höher. Open-Source-Werkzeuge wie OmegaT sind kostenlos, verlangen aber eigene Einrichtung und Support. Vor der Entscheidung gehört eine Testübersetzung mit dem eigenen Glossar dazu.
Häufige Fragen
Welches Format eignet sich für den Glossaraustausch?
TBX nach ISO 30042 ist die sicherste Wahl, weil es Definition, Kontext und Status abbildet. CSV genügt für reine Wortlisten ohne Metadaten.
Reicht ein Translation Memory für einheitliche Terminologie?
Nein. Das Speichersystem schlägt Segmente vor, erzwingt aber keinen Begriff. Erst die Terminologiedatenbank mit Status und Definition setzt Verbindlichkeit durch.
Wie oft sollte ein Glossar geprüft werden?
Mindestens einmal jährlich und bei jeder Normen-, Produkt- oder Formularänderung. Änderungen an Exportdokumenten ziehen Terminologieänderungen nach sich.
Woran erkenne ich, dass ein Prüfwerkzeug passt?
Es muss die Formate Ihrer Werkzeugkette lesen, Terminologie gegen die Datenbank prüfen und Fehler nach Klasse trennen. Eine Testdatei mit bekannten Fehlern zeigt die Trefferquote.