
Sprachprüfung
Teil von Sprachprüfung und Qualitätssicherung in Übersetzung und Dolmetschen
Wie lässt sich die Qualität einer vorliegenden Übersetzung bewerten?
Übersetzungsqualität bewerten: Vollständigkeit, Terminologie, Stil und Normen prüfen, Fehler gewichten, mit Verweis auf DIN EN ISO 17100 und BDÜ-Raster.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Legen Sie Prüfzweck, Adressat und Textsorte fest, bevor Sie die erste Zeile lesen.
- Prüfen Sie zuerst Vollständigkeit und Sinn, danach Terminologie, Stil und Form.
- DIN EN ISO 17100 beschreibt Abläufe und Rollen, sie liefert keine Note.
- Gewichten Sie Fehler nach Wirkung, statt sie nur zu zählen.
- Dokumentieren Sie Prüfmuster, Werkzeuge und Datenquelle.
Prüfmaßstab vor der ersten Zeile festlegen
Eine Übersetzung ist gut, wenn sie ihren Zweck erfüllt. Dieser Zweck ist nicht der Ausgangstext, sondern die Aufgabe im Zielkontext. Eine Betriebsanleitung muss handlungsleitend sein. Ein Kaufvertrag muss rechtlich belastbar bleiben. Ein Werbebrief darf werben.
Prüfmaßstab vorab festlegen
- Zielgruppe bestimmen
- Funktion des Zieltextes klären
- Verbindliche Terminologie festlegen
- Fachliche Abnahme regeln
- Gültige Ausgangsversion notieren
Notieren Sie außerdem, welche Fassung des Ausgangstextes gilt. Version 3 eines Datenblatts kann andere Werte enthalten als Version 1. Ohne diese Angabe vergleichen Sie Zieltext und Quelltext falsch.
Beteiligen Sie mindestens zwei Personen. Eine Person vergleicht mit dem Ausgangstext, eine liest nur den Zieltext. So finden Sie Doppeldeutigkeiten, die beim Vergleich übersehen werden.
Bei Exportdokumenten kommen formale Vorgaben hinzu. Technische Datenblätter, Zolldokumente und Sicherheitshinweise unterliegen Dokumentationspflichten, die Germany Trade & Invest im Bereich Exportkontrolle bündelt. Für Vertrags- und Geschäftsdokumente lohnt ein Blick in die Themenfelder der DIHK, etwa zu Außenwirtschaft und Recht.
Vollständigkeit und Inhalt in fünf Schritten prüfen
Der Mengenabgleich steht am Anfang, nicht am Ende. Tabellen und Formeln sind häufig die fehleranfälligsten Stellen. Prüfen Sie Spaltenzuordnung, Einheiten und Rundungen getrennt.
Vollständigkeit und Inhalt prüfen
- Quelltext und Zieltext segmentweise nebeneinanderlegen und Absätze nummerieren.
- Auslassungen suchenÜberschriften, Fußnoten, Tabellen, Bildtexte, Anhänge.
- Zahlen, Daten, Einheiten, Normverweise und Eigennamen Zeichen für Zeichen vergleichen.
- Sinnfehler markierenVerneinungen, Modalverben wie muss und kann, Bedingungen, Urheberangaben.
- Strittige Stellen vom Fachexperten klären lassen oder probeweise rückübersetzen.
Terminologie folgt nach dem Inhalt, nicht davor. Ein flüssiger Satz mit falscher Zahl bleibt ein schwerer Fehler.
Terminologie, Stil und Normen
Terminologie prüfen Sie gegen eine Quelle, nicht gegen Ihr Gedächtnis. Gibt der Kunde ein Glossar oder eine Terminologiedatenbank vor, gilt diese. Sonst dienen Normenblätter und benannte Fachliteratur als Beleg.
Achten Sie auf feste Begriffe: Eine Verordnung ist keine Richtlinie, ein Bescheid kein Beschluss. Auch Schreibweisen zählen: Einheiten, Datumsformate, Dezimaltrennzeichen und Währungen.
Beim Stil prüfen Sie Register, Anrede und Satzbau. Wiederkehrende Wendungen müssen gleich lauten. Ein Styleguide des Kunden ist bindend, fehlende Vorgaben halten Sie schriftlich fest.
DIN EN ISO 17100 regelt Anforderungen an Übersetzungsdienstleistungen, nicht die Note für einen Einzeltext. Sie fordert nachgewiesene Kompetenzen, definierte Projektabläufe sowie Revision durch eine zweite Übersetzerin oder einen zweiten Übersetzer. Hinzu kommen Review durch eine Fachperson und Korrekturlesen. Die Norm löste DIN EN 15038 ab; für maschinelle Übersetzung und Post-Editing gilt ISO 18587.
Kennzeichnen Sie Unsicherheiten. Wenn eine Aussage im Ausgangstext falsch ist, wird sie durch eine gute Übersetzung nicht richtig. Verweisen Sie solche Stellen an die Fachabteilung zurück.
Für Übersetzungen von Gerichten und Behörden gilt das JVEG mit eigenen Vergütungssätzen; die Sätze für Übersetzungen stehen in Vergütungssätze für Übersetzungen nach § 9 JVEG. Ein amtlicher Auftrag belegt keine gute Übersetzungsqualität.
Werkzeuge prägen das Ergebnis. Translation Memories schreiben alte Fehler fort, maschinelle Übersetzung glättet Sätze und erfindet Details. Klären Sie vor der Prüfung, welche Systeme beteiligt waren, wo die Daten liegen und wer zugreift. Der Digitalverband Bitkom sammelt Positionen zu digitaler Souveränität, Infrastruktur und Regulierung solcher Werkzeugketten.
Fehler gewichten, nicht nur zählen
Zählen Sie Fehler getrennt nach Kategorien und gewichten Sie sie nach Wirkung. Inhaltliche Fehler wiegen schwerer als Formfehler. Gängige Bewertungsraster, etwa die des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer, arbeiten mit Fehlerkategorien, Gewichten und Gesamtbewertung.
| Fehlerkategorie | Beispiel | Gewichtung |
|---|---|---|
| Sinnfehler | ausgelassene Verneinung | kritisch |
| Terminologie | falsche Normbezeichnung | schwer |
| Form | zerrissene Tabelle, falsche Feldzuordnung | mittel |
| Sprache | Grammatik- und Rechtschreibfehler | leicht |
Beispielrechnung: Ein Zieltext mit 12.000 Wörtern enthält drei kritische, fünf schwere und 20 leichte Fehler. Gewichtet mit zehn, drei und einem Punkt ergeben sich 65 Fehlerpunkte. Bezogen auf 12.000 Wörter sind das rund 5,4 Punkte je 1000 Wörter. Der Wert dient dem Vergleich, nicht dem absoluten Urteil.
Nicht jede Abweichung ist ein Fehler. Bevorzugt der Zieltext eine andere, aber richtige Lösung, gehört das in den Kommentar. Solche Fälle tragen Sie nicht in die Fehlerliste ein.
Die Abnahme endet mit einem schriftlichen Befund und einer Frist zur Nachbesserung.
Checkliste für die Abnahme
- Auftrag mit Zweck und Adressat dokumentiert
- Terminologiequelle und Styleguide benannt
- Prüfer, Prüfumfang und Stichprobe festgelegt
- Fehlerklassen und Gewichtung vorab vereinbart
- Prüfprotokoll mit Datum, Werkzeug und Ergebnis abgelegt
Die Quote der Stichprobe schreibt keine Norm vor; begründen Sie sie mit dem Risiko des Textes.
Häufige Fragen
Was ist das wichtigste Kriterium?
Die Wirkung im Zielkontext. Kann ein Sicherheitshinweis falsch verstanden werden, sind Stilfragen nachrangig.
Ersetzt ein Glossar die Prüfung?
Nein. Ein Glossar sichert Terminologie, nicht Vollständigkeit, Sinn oder Grammatik.
Wie groß muss die Stichprobe sein?
Eine verbindliche Quote gibt es nicht. Bei sicherheits- oder haftungsrelevanten Texten prüfen Sie vollständig, sonst nach einem vorab festgelegten Plan.
Zählt DIN EN ISO 17100 Fehler?
Nein. Die Norm beschreibt Prozesse und Kompetenzen. Punkte liefern Bewertungsraster, etwa die des BDÜ.
Muss ich maschinell erzeugte Passagen kennzeichnen?
Klären Sie die Herkunft jeder Passage. Post-Editing nach ISO 18587 verlangt eigene Prüfschritte.



