Sprachprüfung
Teil von Sprachprüfung und Qualitätssicherung in Übersetzung und Dolmetschen
Sprachprüfdienste für Übersetzungen: Kosten, Fehlerkategorien und Prüfprotokolle
Sprachprüfdienste für Übersetzungen: Kosten je Wort und Stunde, Fehlerkategorien nach DIN EN ISO 17100 und Stichprobenprotokolle für Projektbudgets.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Sprachprüfdienste zählen Fehler in festen Kategorien: Genauigkeit, Terminologie, Sprachrichtigkeit, Stil, Format, Vollständigkeit.
- Prüfprotokolle heißen Revision, Review, Korrekturlesen oder Post-Editing; DIN EN ISO 17100 und ISO 18587 beschreiben die Verfahren.
- Stichproben von 10 bis 20 Prozent der Segmente genügen oft, wenn Fehlerschwellen vorher feststehen.
- Beispielpreise netto (Stand 2025): Revision 0,05 bis 0,08 Euro je Wort, Review 65 bis 95 Euro je Stunde, Projektpauschale ab 250 Euro, zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer.
- Eine Vollprüfung kostet zwei- bis dreimal so viel wie eine Stichprobenprüfung, senkt aber das Haftungsrisiko.
Fehlerkategorien: Was Prüfer zählen
Jeder Fehler wird genau einer Kategorie zugeordnet. Das Raster des MQM-Standards hat sich in Ausschreibungen durchgesetzt: Genauigkeit, Terminologie, Sprachrichtigkeit, Stil, Format und Vollständigkeit. Die Gewichtung entscheidet, ob ein Fehler leicht, schwer oder kritisch in die Bewertung eingeht.
| Kategorie | Beispiel | Gewichtung |
|---|---|---|
| Genauigkeit | falsche Zahl im Vertrag | kritisch |
| Terminologie | Glossarverstoß bei "Servicevertrag" | schwer |
| Sprachrichtigkeit | falscher Kasus, Kommafehler | leicht |
| Stil und Register | flapsig im Behördenschreiben | mittel |
| Vollständigkeit | Absatz oder Platzhalter fehlt | schwer |
Kritische Fehler führen in vielen Verträgen zur Rückweisung des gesamten Projekts. Leichte Fehler werden über einen Fehlerquotienten verrechnet, meist als Fehlerpunkte je 1.000 Wörter. Die Grenzwerte gehören ins Prüfprotokoll, nicht in die Verhandlung nach Abgabe.
Prüfprotokolle: Revision, Review und Post-Editing
DIN EN ISO 17100 beschreibt vier Prüfschritte: Revision, Review, Korrekturlesen und Freigabe. Die Revision ist zweisprachig und vergleicht Ausgangstext und Zieltext Zeile für Zeile. Sie gilt nach dieser Norm als fester Bestandteil jeder Übersetzungsleistung.
Der Review prüft einsprachig aus fachlicher Sicht, etwa ob eine Anleitung technisch stimmt. Korrekturlesen kontrolliert nur die Zielsprache. ISO 18587 regelt das Post-Editing von Maschinenübersetzungen und unterscheidet leichtes und vollständiges Post-Editing.
Jedes Protokoll führt Segmentnummer, Ausgangstext, Zieltext, Fehlerkategorie, Schweregrad und Korrekturvorschlag. Revisoren beherrschen die Zielsprache auf dem Niveau C1 oder C2; Nachweise liefern die Sprachprüfungen von telc auf beiden Stufen.
Stichprobenverfahren: Losgröße, Quote, Schwellenwerte
Eine Vollprüfung erfasst jedes Segment. Bei großen Volumina prüfen Dienstleister eine Stichprobe: 10 Prozent bei stabiler Terminologie, 20 Prozent bei neuen Produkten, 100 Prozent bei Haftungsfragen. Die Auswahl erfolgt zufällig über die Segmente, nicht nach Seiten.
- Losumfang und Schwellenwerte im Auftrag festlegen.
- Stichprobenumfang ziehen, 10 bis 20 Prozent der Segmente.
- Fehler zählen, gewichten und auf 1.000 Wörter normieren.
- Bei Überschreitung der Schwelle das Los zurückweisen und auf Vollprüfung ausweiten.
Ein üblicher Vertrag legt drei Zonen fest: bis 5 Fehlerpunkte je 1.000 Wörter Annahme, bis 10 Punkte Nacharbeit, darüber Rückweisung. Stichproben senken den Prüfaufwand um 60 bis 80 Prozent, decken aber nur den gezogenen Teil ab.
Beispielkosten in Euro je Wort, Stunde und Projekt
Sprachprüfdienste rechnen entweder nach Wortpreis oder nach Stundensatz ab. Die folgende Übersicht nennt Marktpreise netto und brutto, Stand März 2025.
| Leistung | Bezugsgröße | Preis netto | mit 19 Prozent MwSt. |
|---|---|---|---|
| Revision zweisprachig | je Wort | 0,05 bis 0,08 Euro | 0,06 bis 0,10 Euro |
| Review einsprachig | je Stunde | 65 bis 95 Euro | 77,35 bis 113,05 Euro |
| Korrekturlesen | je 1.000 Wörter | 25 bis 40 Euro | 29,75 bis 47,60 Euro |
| Post-Editing, leicht | je Wort | 0,03 bis 0,05 Euro | 0,04 bis 0,06 Euro |
| Prüfprojekt pauschal | je Projekt | ab 250 Euro | ab 297,50 Euro |
Beispielrechnung: Ein Handbuch mit 20.000 Wörtern wird zweisprachig revidiert. Bei 0,06 Euro je Wort ergibt das 1.200 Euro netto, also 1.428 Euro brutto.
Eine Stichprobe über 20 Prozent des Textes, also 4.000 Wörter, kostet bei 0,09 Euro je Wort 360 Euro netto und 428,40 Euro brutto. Die Differenz zur Vollprüfung beträgt 840 Euro netto je Durchlauf, brutto 999,60 Euro.
Bei vier Durchläufen im Jahr summiert sich das auf 3.360 Euro netto. Prüfstunden werden getrennt abgerechnet, wenn Umfang oder Format vor Auftrag unklar sind.
Wenn Gerichte und Behörden prüfen lassen
Für öffentliche Auftraggeber lohnt der Blick ins JVEG, das die Vergütung von Dolmetschern und Übersetzern bei Gericht und Behörden regelt.
Für schriftliche Übersetzungen gilt § 9 JVEG: abgerechnet wird je Anschlag oder je Stunde. Dolmetschleistungen rechnet § 11 JVEG mit Stundensätzen und Zuschlägen ab.
Wer für ein Amt oder Gericht arbeitet, rechnet nach diesen Sätzen ab und weist die Prüfleistung im Wortpreis aus. Für die Budgetierung liefern die Sätze eine Untergrenze.
Häufige Fragen
Was kostet eine Stichprobenprüfung bei 10.000 Wörtern?
Bei 20 Prozent Stichprobe und 0,09 Euro je Wort sind das 180 Euro netto, brutto 214,20 Euro. Bei 10 Prozent halbiert sich der Betrag auf 90 Euro netto (Stand 2025, 19 Prozent MwSt.).
Welche Fehler zählen als kritisch?
Falsche Zahlen, verdrehte Aussagen und fehlende Absätze. Sie führen meist zur Rückweisung des gesamten Loses, weil die Stichprobe den Rest nicht abdeckt.
Reicht Korrekturlesen als Prüfschritt?
Nein. Korrekturlesen prüft nur die Zielsprache. Sinnfehler fallen erst bei der zweisprachigen Revision nach DIN EN ISO 17100 auf.
Ist ISO 18587 verbindlich?
Nein, die Norm ist freiwillig. Ausschreibungen fordern Post-Editing-Protokolle nach ISO 18587 jedoch zunehmend, wenn Maschinenübersetzung im Einsatz ist.