Sprachprogramme

Sprachprogramme für Unternehmen auswählen: Ziele, Niveaustufen und Anbieter

Sprachprogramme für Unternehmen auswählen: Ziele, GER-Niveaustufen, Kursformen, Anbieter, Förderung und Beispielkosten je Teilnehmer und Monat.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Legen Sie das Ziel vor der Anbieterwahl fest: Verhandeln, Fachwortschatz, Kundenservice oder Zertifikat.
  • Stufen Sie alle Teilnehmenden über einen Einstufungstest nach GER ein, von A1 bis C2.
  • Wählen Sie die Kursform nach Zeitbudget: Selbstlernlizenz, Live-Online-Kurs, Präsenzkurs oder Einzelunterricht.
  • Prüfen Sie Förderung bei der Bundesagentur für Arbeit, in Länderprogrammen und im ESF Plus.
  • Kalkulieren Sie 20 bis 450 Euro pro Teilnehmer und Monat inklusive Mehrwertsteuer.

Ziele vor der Anbieterwahl klären

Ein Sprachprogramm ohne messbares Ziel zerfällt in einzelne Kurse. Legen Sie vor der Ausschreibung fest, welche Aufgabe die Teilnehmenden danach in der Fremdsprache bewältigen. In der Praxis dominieren vier Ziele: Verhandeln, technische Abstimmung, Kundenservice und Prüfungsnachweis.

Aus dem Ziel folgen Zielsprache, Niveau und Zeitbudget. Vertriebsteams brauchen mündliche Sicherheit. Konstruktion und Qualitätssicherung brauchen Fachterminologie. Produktion und Lager brauchen einfache Anweisungen und Sicherheitsunterweisungen.

Formulieren Sie das Ziel als Kann-Beschreibung. Statt besserem Englisch heißt es dann: führt ein fünfzehnminütiges Telefonat mit einem Lieferanten. Solche Sätze machen den Lernerfolg prüfbar und die Anbieterauswahl leichter.

Wer Beschäftigte aus dem Ausland einarbeitet, koppelt Sprachkurs und Berufsanerkennung. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt Wege zur Gewinnung und Integration ausländischer Fachkräfte einschließlich Deutschkursen: Arbeits- und Fachkräfte aus dem Ausland finden.

Prüfen Sie außerdem das Zeitfenster. Zwei Termine von 45 Minuten in der Arbeitszeit werden besser besucht als ein Kurs am Freitagnachmittag nach der Schicht. Lernzeit während der Arbeitszeit kostet Geld, senkt aber die Abbruchquote.

Definieren Sie Abbruchkriterien. Ein Kurs ohne sichtbaren Fortschritt nach drei Monaten wird beendet oder umgestellt. Diese Regel verhindert, dass Budgets in wirkungslosen Formaten verschwinden.

Zielgruppen trennen und Kurse bündeln

Ein Programm für alle Beschäftigten erzeugt heterogene Gruppen und langsame Fortschritte. Bündeln Sie Teilnehmende nach Ausgangsniveau und Aufgabe. Vier Gruppen treten in Unternehmen regelmäßig auf:

  • Auszubildende mit Schulenglisch auf A2 oder B1.
  • Fachkräfte in Export und Einkauf, die auf B2 oder C1 verhandeln.
  • Führungskräfte, die Präsentationen und Mitarbeitergespräche führen.
  • Beschäftigte mit Migrationshintergrund, die Deutsch als Zweitsprache für die Produktion brauchen.

Trennen Sie A2 und B1. Sonst dominiert ein Niveau den Unterricht und die anderen Teilnehmenden schalten ab. Ähnlich verhält es sich mit Führungskräften, die Einzeltermine ohnehin bevorzugen.

Beschäftigte aus dem Ausland brauchen zwei Lernstränge: Deutsch für den Arbeitsalltag und Fachsprache des eigenen Bereichs. Tandems aus erfahrenen Kollegen und neuen Beschäftigten beschleunigen die Einarbeitung.

Auszubildende profitieren von Kursen mit Kammerprüfung. Ein Zusatzkurs auf B2 lohnt sich nur, wenn die Ausbildung dieses Niveau ohnehin verlangt.

Niveaustufen nach GER einordnen

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen beschreibt sechs Stufen. Er ist die gemeinsame Grundlage für Einstufungstests, Lehrwerke und Zertifikate.

Niveau Typische Kann-Beschreibung Betrieblicher Einsatz
A1 einfache Alltagsphrasen verstehen und nutzen Begrüßung, Wege, erste Orientierung
A2 kurze Routinegespräche führen Bestellungen, einfache E-Mails
B1 Reisesituationen bewältigen und berichten Standardkorrespondenz, kurze Meetings
B2 komplexe Fachtexte und Fachdiskussionen verstehen Verhandlungen, Projektarbeit
C1 sich fließend und differenziert ausdrücken Führung, Vertragsverhandlung
C2 praktisch alles mühelos verstehen Verhandlung auf muttersprachlichem Niveau

Ordnen Sie niemanden zu hoch ein. Ein B2-Kurs überfordert Beschäftigte mit A2-Niveau und führt zu Fehlzeiten. Prüfungsanbieter veröffentlichen zu jeder Prüfung die Stufe und die geprüften Fertigkeiten, etwa in der Prüfungsübersicht von telc.

Für Deutsch als Fremdsprache sind telc- und Goethe-Zertifikate verbreitet. Im Englischen gelten TOEIC, IELTS und Cambridge English als übliche Nachweise. Berufliche Fortbildungen im Umfeld der Industrie- und Handelskammern bündelt die DIHK-Bildungs-gGmbH.

Ein Einstufungstest dauert 30 bis 60 Minuten und liefert ein Ergebnis pro Fertigkeit. Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen fallen oft unterschiedlich aus. Ein Teilnehmer kann auf B2 lesen und auf A2 sprechen. Wiederholen Sie den Test nach jedem Kursabschnitt.

Kursformen im Vergleich

  • Selbstlernlizenz: App oder Plattform, Lernen in Pausen, geringe Bindung an Termine.
  • Live-Online-Gruppe: fester Termin, Lehrkraft per Videokonferenz, Standorte spielen keine Rolle.
  • Präsenzkurs: Firmenraum oder Sprachschule, hohe Verbindlichkeit im Team.
  • Blended Learning: digitale Lerneinheiten plus Sprechstunde mit Tutor.
  • Einzelunterricht: individuelles Tempo, höchster Preis pro Kopf.

Für Teams im Schichtbetrieb passt eine Selbstlernlizenz mit frei buchbaren Live-Sitzungen. Für Führungskräfte ist Einzelunterricht wirtschaftlicher als ein Gruppentermin, den niemand wahrnimmt. Rechnen Sie mit 60 bis 90 Minuten pro Unterrichtseinheit.

Inhouse-Kurse lohnen sich ab etwa acht Teilnehmenden, weil Reisekosten der Lehrkraft entfallen. Bei Standorten in mehreren Bundesländern ist der Live-Online-Kurs die günstigste Variante mit Lehrkraft.

Anbieter und ihre Schwerpunkte

Digitale Anbieter wie Speexx liefern Sprachlernlösungen für Unternehmen, häufig als Blended Learning mit Tutorbetreuung. Babbel for Business verkauft Lizenzen für Selbstlernkurse. Lingoda organisiert Live-Online-Gruppenkurse in festen Klassen.

Präsenzorientierte Anbieter sind etwa Berlitz mit Einzelcoaching und Intensivformaten. Sprachschulketten wie inlingua, Carl Duisberg Centren und did deutsch-institut betreuen Firmenkunden regional. Goethe-Institute unterrichten und prüfen Deutsch als Fremdsprache auf allen Stufen.

Lokale Sprachschulen sind oft günstiger, bei kurzfristigen Trainerwechseln aber weniger stabil. Prüfen Sie Tutorqualifikation, Ersatzregelungen und Referenzen aus Ihrer Branche.

Verlangen Sie zwei Referenzkunden mit ähnlicher Teilnehmerzahl. Fragen Sie dort nach der Teilnahmequote und nach der Reaktionszeit bei Ausfällen. Achten Sie auf die Vertragslaufzeit, denn Lizenzen werden häufig für zwölf Monate abgerechnet.

Fördermöglichkeiten für betriebliche Sprachkurse

Die Bundesagentur für Arbeit fördert die Weiterbildung von Beschäftigten, wenn der Bedarf aus dem Strukturwandel folgt. Die Zuschüsse staffeln sich nach Unternehmensgröße. Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten erhalten bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten, größere Betriebe anteilige Zuschüsse: Förderung von Weiterbildung für Unternehmen.

Länderprogramme ergänzen die Bundesförderung. Welches Programm zu Branche und Standort passt, filtern Sie in der Förderdatenbank des Bundes nach Bundesland, Zielgruppe und Fördertyp.

Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds Plus werden in Deutschland über die Länder vergeben. Die Konditionen unterscheiden sich je Bundesland. Prüfen Sie deshalb beide Töpfe, bevor Sie den Kurs ausschreiben.

Achten Sie auf die Reihenfolge: Förderanträge werden vor Kursbeginn gestellt. Fördermittel beziehen sich meist auf Netto-Kosten, die Umsatzsteuer ist bei Vorsteuerabzug nicht förderfähig. Lassen Sie sich Formate und Teilnahmenachweise vom Anbieter dokumentieren.

Kombinieren Sie Bundes- und Landesmittel nicht ungeprüft. Eine Doppelförderung derselben Kosten ist in der Regel ausgeschlossen. Klären Sie die Kombination vor der Zusage an den Anbieter.

In einigen Bundesländern besteht Anspruch auf Bildungsfreistellung. Das ist Ländersache und nicht bundesweit einheitlich geregelt. Prüfen Sie die Regelung Ihres Standorts, bevor Sie Kurszeiten planen.

Kosten pro Teilnehmer und Monat

Die folgenden Werte sind eine Beispielrechnung für den deutschen Markt, keine Angebotspreise einzelner Anbieter. Alle Beträge enthalten 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Format Gruppengröße Preis pro Teilnehmer und Monat Typische Laufzeit
Selbstlernlizenz offen 10 bis 25 Euro 6 bis 12 Monate
Live-Online-Gruppe 6 bis 10 90 bis 160 Euro 6 bis 12 Monate
Präsenzkurs im Haus 8 bis 12 120 bis 200 Euro 6 bis 12 Monate
Blended Learning mit Tutor 6 bis 10 150 bis 250 Euro 6 bis 12 Monate
Einzelunterricht, eine Stunde pro Woche 1 300 bis 450 Euro 3 bis 12 Monate
Prüfungsvorbereitung als Block 4 bis 8 200 bis 350 Euro 1 bis 3 Monate

Ein Rechenbeispiel: Bei 20 Teilnehmenden und 150 Euro pro Kopf und Monat entstehen 3.000 Euro monatlich. Über zwölf Monate summiert sich das auf 36.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Bei einer Förderquote von 50 Prozent bleiben 18.000 Euro Eigenanteil.

Bei Inhouse-Kursen sinkt der Preis pro Kopf mit steigender Teilnehmerzahl, weil die Lehrkraft pauschal vergütet wird. Prüfungsgebühren kommen einmalig hinzu und liegen je nach Stufe und Anbieter im dreistelligen Bereich.

Rechnen Sie die Lernzeit mit. Eine Ausfallstunde pro Teilnehmer und Woche kostet je nach Gehalt mehr als der Kurs selbst. Diesen Posten sollten Sie der Geschäftsführung offen ausweisen.

Auswahl in fünf Schritten

  1. Ziel und Kann-Beschreibung schriftlich festhalten.
  2. Einstufungstest mit allen Teilnehmenden durchführen und Ergebnisse dokumentieren.
  3. Zwei bis drei Angebote mit Preis pro Kopf und Monat vergleichen.
  4. Förderweg klären und Antrag vor Kursbeginn stellen.
  5. Nach drei Monaten Lernerfolg prüfen und Kursform nachsteuern.

Passen Sie die Gruppengröße an das Ziel an. Für Sprechfertigkeit sind sechs bis zehn Teilnehmende sinnvoll, für Prüfungsvorbereitung eher vier bis acht.

Sprachprogramme steuern und Erfolg messen

Vier Kennzahlen genügen: Teilnahmequote, erreichte Stufe im Abschlusstest, Abbruchquote und Rückmeldung der Führungskräfte. Messen Sie das Niveau am Anfang und nach sechs Monaten mit demselben Test.

Vereinbaren Sie eine Pilotphase von drei Monaten mit Ausstiegsklausel. Verlängern Sie nur, wenn die Teilnahmequote stabil bleibt und die Teilnehmenden eine Stufe erreicht haben.

Die Einführung einer Lernplattform berührt Mitbestimmung und Datenschutz, sobald Nutzungsdaten ausgewertet werden. Klären Sie beides mit dem Betriebsrat, bevor Sie Lizenzen buchen.

Checkliste vor der Auftragserteilung

  • Einstufungstest für alle Teilnehmenden liegt vor.
  • Lernziele sind als Kann-Beschreibungen formuliert.
  • Preis pro Teilnehmer und Monat inklusive Mehrwertsteuer ist beziffert.
  • Qualifikation der Lehrkräfte ist nachgewiesen.
  • Kündigungsfrist und Ersatzregelung bei Trainerwechsel sind geregelt.

Häufige Fragen

Welche Niveaustufe brauchen Beschäftigte für Verhandlungen?

B2 ist die Untergrenze, C1 die Regel. Wer aktiv verhandelt und Verträge kommentiert, braucht ein sicheres C1-Niveau.

Was kostet ein Sprachkurs pro Mitarbeiter und Monat?

Selbstlernlizenzen kosten 10 bis 25 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Live-Online- und Präsenzkurse liegen bei 90 bis 250 Euro, Einzelunterricht bei 300 bis 450 Euro.

Welche Förderung können Unternehmen beantragen?

Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit, Mittel aus Länderprogrammen und aus dem ESF Plus. Der Antrag gehört vor den Kursbeginn.

Wie lange dauert ein Stufenaufstieg nach GER?

Erfahrungswert: 80 bis 200 Unterrichtseinheiten pro Stufe. Bei zwei Einheiten pro Woche dauert der Aufstieg sechs bis zwölf Monate.

Woran erkennt man einen geeigneten Anbieter?

An Einstufungstest, dokumentierten Lernzielen, qualifizierten Lehrkräften und einer Auswertung für die Personalabteilung. Referenzen aus der eigenen Branche helfen.

In diesem Leitfaden

  1. Wie lassen sich Sprachlernprogramme im Betrieb messen?Sprachlernprogramme im Betrieb messen: Kennzahlen, GER-Niveaustufen, Testverfahren von Goethe-Institut und telc, Feedbackmethoden und Kosten je Stufe.
  2. Anbieter für betriebliche Sprachprogramme: Aufnahmekriterien und LeistungenBetriebliche Sprachprogramme: Anbieterkategorien von Goethe-Institut bis Speexx, Aufnahmekriterien, Kursumfang, Zertifikate, Fördermittel und Beispielkosten in Euro.
  3. Checkliste für die Einführung betrieblicher SprachprogrammeCheckliste für betriebliche Sprachprogramme: Bedarf, Ziele, Anbieter, Fördermittel, Datenschutz und Erfolgsmessung Schritt für Schritt planen.

Mehr aus Sprachprogramme

Sprachprogramme

Checkliste für die Einführung betrieblicher Sprachprogramme

Checkliste für betriebliche Sprachprogramme: Bedarf, Ziele, Anbieter, Fördermittel, Datenschutz und Erfolgsmessung Schritt für Schritt planen.

Sprachprogramme

Wie lassen sich Sprachlernprogramme im Betrieb messen?

Sprachlernprogramme im Betrieb messen: Kennzahlen, GER-Niveaustufen, Testverfahren von Goethe-Institut und telc, Feedbackmethoden und Kosten je Stufe.

Sprachprogramme

Anbieter für betriebliche Sprachprogramme: Aufnahmekriterien und Leistungen

Betriebliche Sprachprogramme: Anbieterkategorien von Goethe-Institut bis Speexx, Aufnahmekriterien, Kursumfang, Zertifikate, Fördermittel und Beispielkosten in Euro.