
Sprachprogramme
Sprachprogramme in NRW: Förderwege für Betriebe und Beschäftigte
Sprachprogramme in Nordrhein-Westfalen fördern: Qualifizierungschancengesetz, Berufssprachkurse, Bildungsscheck 2.0, ESF+ und Erasmus+ samt Antragsweg.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Sprachkurse für Beschäftigte finanzieren in Nordrhein-Westfalen drei Ebenen: Bund, Land und EU.
- Der Bund fördert über das Qualifizierungschancengesetz (§ 82 SGB III) und die Berufssprachkurse des BAMF, das Land über den Bildungsscheck 2.0, die EU über ESF+ und Erasmus+.
- Die Agentur für Arbeit bezuschusst Lehrgangskosten und teils das Arbeitsentgelt; kleine Betriebe erhalten bis zu 100 Prozent.
- Der Bildungsscheck 2.0 zahlt Beschäftigten mit Wohnsitz in NRW die Hälfte der Kursgebühren bis zu einer jährlichen Obergrenze.
- Anträge müssen vor Kursbeginn vorliegen, sonst entfällt der Zuschuss.
- Erste Anlaufstellen sind der Arbeitgeber-Service, die Regionalagenturen und die G.I.B. in Bottrop.
Wer in Nordrhein-Westfalen Sprachkurse bezuschusst
Nordrhein-Westfalen ist ein Industrieland mit Chemie, Maschinenbau, Logistik und Pflege. Sprachkurse gehören zur Personalplanung: Schichtübergaben und Sicherheitsunterweisungen müssen auf Deutsch funktionieren, Vertriebsteams brauchen Englisch für Verhandlungen.
Gefördert wird von drei Seiten: Der Bund handelt über die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das Land über den Bildungsscheck 2.0, die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) und Erasmus+. Kammern und Regionalagenturen beraten kostenlos, zahlen aber selten selbst.
Fördertöpfe nach Ebene
Bund
- Träger
- Bundesagentur für Arbeit
- Abwicklung
- Örtliche Agenturen
- Ziel
- Beschäftigte
Land NRW
- Träger
- Bildungsscheck NRW
- Abwicklung
- G.I.B. in Bottrop
- Ziel
- Weiterbildung
EU
- Träger
- ESF+ und Erasmus+
- Abwicklung
- Projektförderung
- Ziel
- Projekte und Auslandsaufenthalte
Der Bedarf unterscheidet sich nach Region: Im Ruhrgebiet prägen Logistik, Stahl und Chemie die Belegschaften, in Ostwestfalen-Lippe der Maschinenbau.
Fördersätze, Träger und Zuständigkeiten
Beim Qualifizierungschancengesetz übernimmt die Agentur für Arbeit einen Teil der Lehrgangskosten; Rechtsgrundlage ist § 82 SGB III. Bei Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten kann der Zuschuss bis zu 100 Prozent betragen, größere Betriebe erhalten weniger. Läuft der Kurs in der Arbeitszeit, ist ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt möglich.
Deutsch für den Beruf fördert der Bund über die Berufssprachkurse. Grundlage ist § 45a Aufenthaltsgesetz zur berufsbezogenen Deutschsprachförderung: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge koordiniert sie und setzt dafür private oder öffentliche Kursträger ein. Die Kurse bauen in der Regel auf dem Integrationskurs auf.
Das aktuelle Landesprogramm ist der Bildungsscheck 2.0, ein Förderprogramm des Arbeitsministeriums NRW und des Europäischen Sozialfonds. Er fördert Personen aus Nordrhein-Westfalen, nicht den Betrieb: Den Antrag stellen die Beschäftigten selbst über ein Online-Portal; die G.I.B. in Bottrop beantwortet Fragen dazu. Höhe und Einkommensgrenze stehen im Abschnitt zur Beratung.
Tabelle: Förderwege und Zuständigkeiten
Förderwege und Zuständigkeiten
| Förderweg | Träger | Was übernommen wird |
|---|---|---|
| Qualifizierungschancengesetz | Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit | Lehrgangskosten, teils Arbeitsentgelt |
| Berufssprachkurse | Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit Kursträgern | Deutsch für den Beruf |
| Bildungsscheck NRW | G.I.B. in Bottrop im Auftrag des Landes | anteiliger Zuschuss zu Weiterbildungskosten |
| ESF+ | Arbeitsministerium des Landes | Projekte und Bildungsgutscheine |
| Erasmus+ | Nationale Agentur beim BIBB | Auslandsaufenthalte und Vorbereitung |
Rechenbeispiel: Sprachkurs für ein Vertriebsteam
Ein Maschinenbauer mit 120 Beschäftigten bucht einen Fachsprachkurs Englisch für acht Vertriebsmitarbeitende für 8.000 Euro netto. Angenommen, die Agentur für Arbeit trägt 50 Prozent der Lehrgangskosten, dann liegt der Zuschuss bei 4.000 Euro und der Betrieb zahlt 4.000 Euro. Die Werte sind ein Rechenbeispiel, die Förderhöhe prüft die Agentur im Einzelfall.
Schritt für Schritt zum Förderantrag
- Bedarf festhalten: Tätigkeit, Sprachniveau und Kursziel je Beschäftigtem notieren.
- Zuständige Stelle klärenArbeitgeber-Service, BAMF-Kursträger, G.I.B. oder Regionalagentur.
- Beratungstermin vor Kursbeginn vereinbaren und Förderfähigkeit prüfen lassen.
- Angebot des Kursträgers einholen und den Antrag vollständig einreichen; beim Bildungsscheck 2.0 stellen die Beschäftigten ihn selbst im Online-Portal.
- Bewilligung abwarten, Kurs starten und Verwendungsnachweis mit Rechnungen fristgerecht nachreichen.
Checkliste Antragsvorbereitung
- Bedarf je Beschäftigte und Tätigkeit schriftlich festgehalten
- Kursanbieter in der Region ausgewählt
- Zuständige Stelle für die Förderung geklärt
- Beratungstermin vor Kursbeginn vereinbart
- Antrag vollständig und fristgerecht eingereicht
- Bewilligung liegt schriftlich vor
- Nachweise und Rechnungen fristgerecht eingereicht
Typische Ablehnungsgründe sind ein verspäteter Antrag, ein nicht berufsbezogener Kurs und fehlende Nachweise. Deshalb gilt: erst bewilligen lassen, dann buchen.
Beratung: G.I.B., Regionalagenturen und Kammern
Die Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit in Düsseldorf steuert die örtlichen Agenturen, etwa in Köln, Düsseldorf, Essen, Dortmund, Münster und Bielefeld. Erster Ansprechpartner für Betriebe ist der Arbeitgeber-Service.
Die Regionalagenturen für Arbeit und Qualifizierung koordinieren in den Landesteilen ESF-Projekte und kennen die Kursträger vor Ort. Handwerksbetriebe beraten ihre Handwerkskammern, Industriebetriebe die IHK am Standort. Beschäftigte erhalten mit dem Bildungsscheck 2.0 50 Prozent der Kursgebühren, höchstens 500 Euro, einmal pro Kalenderjahr. Voraussetzung ist ein zu versteuerndes Einkommen unter 50.000 Euro im Jahr, bei gemeinsamer Veranlagung unter 100.000 Euro. Für Fragen dazu hat die G.I.B. eine eigene Servicenummer.
Sprachnachweise erleichtern die Planung. Prüfungen wie die Sprachprüfungen bei telc dokumentieren das erreichte Niveau nach außen.
Häufige Fragen
Was ist der Bildungsscheck NRW?
Das Landesprogramm für berufliche Weiterbildung läuft heute als Bildungsscheck 2.0: Personen mit Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen beantragen ihn selbst online, die G.I.B. in Bottrop berät. Der Antrag muss vor Kursbeginn vorliegen.
Muss der Antrag vor Kursbeginn gestellt werden?
Ja. Nach Kursbeginn oder nach Rechnungsstellung wird in der Regel nicht mehr bewilligt.
Werden Fremdsprachen wie Englisch gefördert?
Ja, wenn der Kurs berufsbezogen ist und der betriebliche Bedarf begründet wird. Reine Freizeitkurse sind nicht förderfähig.
Wie hoch ist der Zuschuss?
Beim Qualifizierungschancengesetz richtet sich der Anteil nach der Betriebsgröße, kleine Betriebe erhalten mehr. Beim Bildungsscheck 2.0 erhalten Beschäftigte die Hälfte der Kursgebühren, höchstens bis zur Obergrenze des Landes je Kalenderjahr.



