Sprachanpassung

Teil von Wie passt man Sprachanpassung für verschiedene Märkte an?

Lokalisierung von Software: Kosten, Textlängen und Formate

Softwarelokalisierung: Kosten pro Wort, Textlängen und Dateiformate wie XLIFF, JSON und RESX, dazu Testverfahren und ein Rechenbeispiel mit Umsatzsteuer.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Softwarelokalisierung kostet je nach Sprachrichtung meist 0,12 bis 0,30 Euro pro Wort, netto, Preisstand erstes Quartal 2025.
  • Deutsche Oberflächentexte sind rund 30 Prozent länger als englische, deshalb braucht das Layout Platzreserven.
  • Übliche Formate sind XLIFF, JSON, XML, PO, RESX, PROPERTIES und ARB.
  • DIN EN ISO 17100 beschreibt den Ablauf aus Übersetzung, Revision und Korrekturlesen.
  • Unicode in UTF-8 verhindert Zeichensalat und falsch gemessene Textlängen.

Welche Dateiformate in der Softwarelokalisierung anfallen

Softwarelokalisierung beginnt nicht beim Übersetzen, sondern beim Format. Moderne Anwendungen halten ihre Texte in Ressourcendateien, die der Build mit einliest. Bleibt ein Schlüssel leer, zeigt die Oberfläche den Schlüsselnamen oder Englisch. Deshalb gehört zur Lokalisierung immer eine Formatprüfung.

Übersetzungsdienstleister arbeiten am liebsten mit XLIFF, dem XML-basierten Austauschformat der OASIS. Ausgangsdateien wie JSON oder YAML werden dafür in XLIFF umgewandelt und später zurückgeschrieben. Translation Memories liegen im TMX-Format, damit Übersetzungen zwischen Werkzeugen übertragbar bleiben.

Format Typischer Einsatz Worauf achten
XLIFF 2.2 Austausch mit Dienstleistern Inline-Tags, Segmentgrenzen
JSON, YAML Web-Apps und Konfiguration Schlüsselnamen unverändert lassen
strings.xml, .strings Android und iOS Platzhalter, Pluralformen
.properties, RESX Java und .NET Escaping, Zeichensatz
PO, TMX Gettext, Translation Memories Kontext und Fuzzy-Matches

Zwei Fehler kosten später am meisten. Erstens: Texte fest im Quellcode, statt in Ressourcen. Zweitens: umbenannte Schlüssel nach der ersten Übersetzung. Beides erzwingt neue Arbeitsschritte, die niemand eingeplant hat. Wie stark Unternehmen solche Abläufe überhaupt digitalisieren, beschreibt der Bitkom im Themenfeld Digitale Transformation.

Warum Textlängen zum Problem werden

Englisch ist kompakt. Eine Übersetzung ins Deutsche wächst typischerweise um 25 bis 35 Prozent, kurze Schaltflächenlabels teils um 50 Prozent. Aus Create wird Erstellen, aus Save wird Speichern, und in einer 80 Pixel breiten Schaltfläche bricht der Text um. In die andere Richtung kürzen Chinesisch und Japanisch deutlich.

Die Längenmessung selbst ist eine Falle. Unicode kodiert Zeichen unterschiedlich: UTF-8 braucht ein bis vier Bytes, UTF-16 ein oder zwei Code Units. Ein Emoji mit Hautfarbe besteht aus mehreren Code Points, für das Auge aber aus einem Zeichen. Wer Limits in Bytes zählt, schneidet Text ab, der sichtbar zu kurz ist.

Dazu kommen Pluralformen. CLDR kennt für Deutsch zwei Formen, für Russisch vier und für Arabisch sechs. Verkettete Fragmente wie 3 Dateien gelöscht lassen sich nicht aus Bausteinen zusammensetzen, weil Genus und Kasus vom Zählwort abhängen. ICU MessageFormat löst das, Konkatenation nicht.

Wie Testverfahren ablaufen

  1. Pseudo-Lokalisierung: Texte künstlich verlängern, mit Akzenten und Klammern versehen, Layout prüfen. Das geht, bevor eine einzige echte Übersetzung vorliegt.
  2. Funktionstest mit echten Ressourcen: Start, Navigation, Formulare, Fehlermeldungen, Exporte.
  3. Linguistische Prüfung: Revision durch eine zweite Person nach DIN EN ISO 17100, danach In-Country-Review durch Muttersprachler im Zielmarkt.
  4. Verifikation je Sprachbuild: keine leeren Schlüssel, keine Platzhalterfehler, kein abgeschnittener Text.
  5. Regressionstest vor jedem Release, damit neue Funktionen alte Übersetzungen nicht brechen.

Die Norm DIN EN ISO 17100 benennt für Übersetzungsdienstleistungen die Schritte Übersetzung, Revision, Review und Korrekturlesen sowie die Kompetenzen der Beteiligten. Wer diese Nachweise verlangt, bekommt vergleichbare Angebote. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen für digitale Produkte gelten, bündelt der Bitkom im Themenfeld Recht.

Was Softwarelokalisierung kostet

Die Preise gelten pro Wort, netto, Preisstand erstes Quartal 2025, zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer. Fachübersetzungen Englisch zu Deutsch liegen bei 0,15 bis 0,25 Euro pro Wort. Deutsch zu Japanisch oder Chinesisch kostet 0,25 bis 0,45 Euro. Zeilenpreise liegen bei 1,20 bis 2,00 Euro je Zeile mit 55 Zeichen.

Dazu kommt Technik. Localization Engineering kostet 60 bis 100 Euro pro Stunde, ein In-Country-Review 50 bis 80 Euro. Translation Memories senken den Preis: exakte Treffer kosten 0,01 bis 0,03 Euro pro Wort, Fuzzy-Treffer zwischen 50 und 75 Prozent des Neupreises.

Rechenbeispiel: 20.000 Wörter für Englisch zu Deutsch

  • 12.000 neue Wörter zu 0,22 Euro: 2.640 Euro
  • 8.000 exakte Treffer zu 0,02 Euro: 160 Euro
  • Engineering, 16 Stunden zu 75 Euro: 1.200 Euro
  • In-Country-Review, 12 Stunden zu 65 Euro: 780 Euro
  • Funktionstest, 8 Stunden zu 80 Euro: 640 Euro

Summe: 5.420 Euro netto, mit 19 Prozent Umsatzsteuer 6.449,80 Euro. Das sind Beispielwerte; reale Angebote hängen von Sprachrichtung, Werkzeug und Umfang ab. Nutzerseitige Erwartungen an Apps, von Datenschutzeinstellungen bis zu Abonnements, bündelt die Verbraucherzentrale unter Apps und Software.

Häufige Fragen

Was kostet Softwarelokalisierung pro Wort?

Für gängige Sprachrichtungen rechnen Anbieter mit 0,12 bis 0,30 Euro pro Wort, bei asiatischen Zielsprachen mit bis zu 0,45 Euro. Engineering und Test werden meist nach Stunden abgerechnet.

Welche Dateiformate sollte ich anliefern?

Am einfachsten liefern Sie die Originalressourcen, also JSON, YAML, RESX, PROPERTIES, strings.xml oder ARB. Den Austausch über XLIFF und die Rückführung übernimmt der Dienstleister.

Wie viel länger werden deutsche Texte?

Rechnen Sie mit 25 bis 35 Prozent mehr Zeichen, bei kurzen Labels mit bis zu 50 Prozent. Planen Sie Mindestbreiten statt fester Zeichenlimits und lassen Sie Text umbrechen statt abschneiden.

Gilt DIN EN ISO 17100 auch für Software?

Die Norm beschreibt den Übersetzungsprozess und gilt auch, wenn Ressourcendateien übersetzt werden. Zusätzliche Schritte wie Engineering und Funktionstest sind nicht Teil der Norm und werden getrennt vereinbart.

Wie teste ich Textlängen früh?

Mit Pseudo-Lokalisierung im Build. Verlängerte Texte zeigen Layoutfehler, bevor Übersetzungskosten entstehen.

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