Sprachanpassung

Teil von Wie passt man Sprachanpassung für verschiedene Märkte an?

Kulturelle Prüfung von Farben und Bildern in Exporttexten

Kulturelle Prüfung von Farben und Bildern in Exporttexten: Prüfkriterien für Rot, Weiß und Grün, Gesten, Normen wie DIN 1450 und Länderquellen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Farben, Bilder und Symbole tragen in jedem Zielmarkt eigene Bedeutungen.
  • Geprüft werden Farbsignale, Gesten, Zahlen, Menschenbilder und Kartendarstellungen.
  • Normen zu Lesbarkeit, Sicherheitszeichen und Druckfarben geben der Prüfung einen Rahmen.
  • Länderinformationen von Germany Trade & Invest und den Auslandshandelskammern ergänzen die Prüfliste.
  • Jede Marktfreigabe gehört dokumentiert und versioniert.

Farben: Bedeutung vor Gestaltung

In vielen Märkten ist Rot die Farbe für Glück und Feiern, in anderen steht sie für Gefahr oder politische Bewegung. Weiß gilt in Deutschland und weiten Teilen Europas als Hochzeitsfarbe, in Teilen Ostasiens dagegen als Trauerfarbe. Grün ist in islamisch geprägten Ländern religiös aufgeladen. Länderkenntnis bleibt die Grundlage jeder Prüfung.

Die folgende Übersicht zeigt typische Zuordnungen, die vor der Motivfreigabe abzugleichen sind.

Markt Farbe oder Zeichen Übliche Lesart Prüfhinweis
China Weiß, Schwarz Trauer, Abschied Feste mit Rot und Gold planen
Japan Zahl 4, Chrysantheme Tod, Trauer Nummerierungen und Blumen prüfen
Indien Rot, Safran Fest, Hochzeit Politische Bezüge der Farbe klären
Naher Osten Grün Religiöser Bezug Markenfarbe und Kontext trennen
Brasilien Grün, Gelb Nationales Signal Politische Nutzung mitdenken

Die Zuordnungen sind Grundlage für Gespräche mit Partnern vor Ort, nicht generelle Regeln. Farbtreue kommt hinzu: Ein Markenrot wirkt am Bildschirm anders als im Offsetdruck. Für Druckerzeugnisse hilft ein definierter Farbstandard, für Bildschirmausgaben ein hinterlegtes Farbprofil.

Bilder, Gesten und Zahlen

Bei Bildmotiven entscheidet der Kontext. Ein Daumen hoch gilt in Teilen des Nahen Ostens und in Westafrika als Beleidigung, das OK-Zeichen in Brasilien und der Türkei ebenfalls. Fußsohlen, Zeigefinger und linkshändige Gesten sind heikel. Prüfen Sie jede abgebildete Person auf Kleidung, Kopfbedeckung und Körpernähe.

Auch Symbole wie Haken, Stern und Kreuz sind nicht überall neutral besetzt. Achten Sie zudem auf Hauttöne, Altersbilder und Familienkonstellationen.

Tiere, Speisen und Getränke sind ebenfalls codiert. Hunde und Schweinefleisch stoßen in islamisch geprägten Märkten auf Ablehnung, Alkohol in Teilen der Golfstaaten und in Malaysia. Auch Kartendarstellungen brauchen einen Abgleich, etwa bei Grenzverläufen in Südasien oder bei der Darstellung Taiwans.

Zahlen und Kalender gehören zur gleichen Prüfung. Die Vier gilt in China, Japan und Korea als Unglückszahl. Feiertage, Wochenrhythmus und Datumsformat weichen ab. Für arabische und hebräische Ausgaben ändert sich die Leserichtung, damit auch der Bildaufbau.

Für die Länderrecherche liefert der Bereich Märkte und Branchen der GTAI Angaben zu Zielmärkten und Branchen.

Normen, Prüfschritte und Nachweise

Normen geben der Prüfung einen Rahmen. DIN 1450 beschreibt Leserlichkeit, Schriftgröße und Kontrast. Sicherheitszeichen folgen international DIN EN ISO 7010, während die USA auf ANSI Z535 setzen. Der Offsetdruck wird über ISO 12647-2 gesteuert, Übersetzungsprozesse über DIN EN ISO 17100. Ein Farbproof je Ausgabe und ein Kontrollstreifen sichern die Farbverbindlichkeit vor dem Druck.

Die Prüfung läuft in fünf Schritten:

  1. Märkte, Amtssprachen und Schriftsysteme in einer Liste festhalten.
  2. Farben, Bilder, Piktogramme, Karten und Nummerierungen der Kampagne erfassen.
  3. Jede Zuordnung gegen Länderinformationen und Partner vor Ort prüfen.
  4. Kontrast, Schriftgröße und Druckfarben nach den genannten Normen kontrollieren.
  5. Freigabe je Markt dokumentieren und Änderungen versionieren.

Die Auslandshandelskammern bieten Ansprechpartner vor Ort und Länderwissen, das den Abgleich mit lokalen Sehgewohnheiten erleichtert: Netzwerk der Auslandshandelskammern beim DIHK.

Rechtliche Vorgaben für Kennzeichnung, Sicherheitshinweise und Zollpapiere wirken direkt auf Bild- und Textmotive. Einen Überblick zu diesen Rahmenbedingungen gibt die GTAI unter Recht und Zoll.

Die Industrie- und Handelskammern beraten Betriebe zur Außenwirtschaft, der DIHK bündelt Grundlagen zum Internationalen Handel.

Häufige Fragen

Welche Farben sind für Exportmotive am riskantesten?

Rot, Weiß, Grün und Gelb tragen die meisten Zusatzbedeutungen. Rot signalisiert in China Fest und Glück, in anderen Märkten Gefahr. Weiß steht in Teilen Ostasiens für Trauer, Grün trägt im Nahen Osten religiöse Bedeutung.

Warum sind Gesten und Menschenbilder heikel?

Gesten sind kulturell codiert und werden oft unbewusst gelesen. Der Daumen hoch, das OK-Zeichen oder die Fußsohle können beleidigen. Bei Personen kommen Kleidung, Kopfbedeckung und Nähe hinzu, die in manchen Märkten anders bewertet werden.

Welche Normen helfen bei der Prüfung?

DIN 1450 regelt Leserlichkeit und Kontrast, DIN EN ISO 7010 die Sicherheitszeichen, ISO 12647-2 die Druckfarben, DIN EN ISO 17100 die Übersetzungsprozesse.

Wie dokumentiere ich die Freigabe?

Legen Sie je Markt eine Prüfdatei an: Farbwerte, Motive, Symbolinventar, Normprüfung, Ansprechpartner und Datum der Freigabe. Versionieren Sie jede Änderung, damit Nachbesserungen nachvollziehbar bleiben.

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