
Dolmetschen
Dolmetschen auf der Hannover Messe: Formate und Planung
Dolmetschen auf der Hannover Messe: Formate, Vorlauf und organisatorische Planung – mit sieben Buchungsschritten, Briefing und Abstimmung vor Ort.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dolmetschen auf der Hannover Messe sollte spätestens drei Monate vor Messebeginn gebucht werden, weil gute Fachkräfte früh ausgebucht sind.
- Simultandolmetschen erfordert Kabinen, Empfänger und eine eigene Tonregie, die nicht in jeder Standmiete enthalten ist.
- Honorare richten sich nach Sprachen, Fachgebiet und Einsatztagen und liegen deutlich über den Sätzen des Justizvergütungs- und -Entschädigungsgesetzes (JVEG).
- Für Chinesisch, Japanisch oder Arabisch sind Aufschläge und längere Vorlaufzeiten üblich.
- Technik und Dolmetscher sollten getrennt kalkuliert werden, damit bei Ausfällen schnell Ersatz organisiert werden kann.
Dolmetschen auf der Hannover Messe: Formate und Planung
Die Hannover Messe bringt Aussteller aus Industrie, Energie und Automatisierung mit Fachbesuchern aus aller Welt zusammen. Wer hier Gespräche am Stand führen will, braucht Sprachmittlung, die technisch funktioniert und fachlich sitzt. Dolmetschen auf der Hannover Messe ist deshalb kein Nebenposten im Messebudget, sondern Teil der Standplanung.
Hannover ist Messe- und Automobilzuliefererstadt. Die Messe zieht Besucher aus Asien, Nordamerika und Europa an, viele davon mit Einkaufs- oder Entwicklungsverantwortung. Ohne Dolmetscher bleiben Fachgespräche an Stand und Konferenzbühne auf Englisch beschränkt. Das reicht für viele Kontakte, aber selten für Vertragsdetails, Normen oder Zertifizierungsfragen.
Der Bedarf reicht vom kurzen Standgespräch bis zur mehrsprachigen Pressekonferenz. Daraus ergeben sich unterschiedliche Formate, Techniken und Preise. Die folgenden Abschnitte ordnen Planung, Technik und Honorare.
Welche Dolmetscharten passen wofür
Für Standgespräche reicht oft das Konsekutivdolmetschen ohne Technik. Die Dolmetscherin hört zu und gibt das Gesagte anschließend in der Zielsprache wieder. Das funktioniert gut bei Vier-Augen-Gesprächen und kleinen Gruppen.
Für Bühnen, Podien und Führungen durch die Halle ist Simultandolmetschen die Regel. Hier sprechen Dolmetscher zeitgleich mit dem Redner in eine Kabine oder direkt in Empfänger. Das Publikum hört die Übersetzung über Kopfhörer, ohne dass der Vortrag unterbrochen wird.
Flüsterdolmetschen eignet sich für kleine Runden von zwei bis drei Personen. Es ist leiser als Simultandolmetschen, aber ohne Kabine und nur für kurze Einsätze sinnvoll.
Wann welches Format sinnvoll ist
Typische Situation
- Konsekutiv
- Standgespräch, Verhandlung
- Simultandolmetschen
- Bühne, Podium, Pressekonferenz
- Flüsterdolmetschen
- kleine Gesprächsrunde
- Ferndolmetschen
- kurzfristige Zuschaltung
Technik nötig
- Konsekutiv
- nein
- Simultandolmetschen
- ja, Kabine und Empfänger
- Flüsterdolmetschen
- nein, nur Kopfhörer
- Ferndolmetschen
- ja, Videokonferenztechnik
Planung des Dolmetschereinsatzes: Vorlauf und Abstimmung
Die Messe ist ein Termin mit festem Datum, an dem in Hannover alle guten Dolmetscher gleichzeitig gefragt sind. Wer spät bucht, bekommt entweder keine Fachkraft für die gewünschte Sprachkombination oder zahlt Aufschläge. Drei Monate Vorlauf sind realistisch, bei seltenen Sprachen eher sechs.
Zuerst wird der Bedarf nach Tagen, Stunden und Sprachen erfasst. Ein Stand mit durchgehendem Publikumsverkehr braucht andere Zeiten als ein Podium von neunzig Minuten. Danach folgt die Auswahl der Dolmetscher, am besten über einen Anbieter mit Fachprofil in Automatisierung, Energie oder Antriebstechnik.
In sieben Schritten zum gebuchten Dolmetscher
In sieben Schritten zum Dolmetscher
- Bedarf klärenSprachen, Tage, Formate
- Fachgebiet eingrenzen, Glossar anlegen
- Angebote einholen, Dolmetscher und Technik getrennt
- Dolmetscher auswählen, Teamgröße festlegen
- Technik und Standbau abstimmen
- Briefing-Termin vor der Messe ansetzen
- Ansprechpartner vor Ort benennen
- Bedarf klären.Sprachen, Formate und Zeiten festhalten: Standgespräch, Podium, Hallenführung oder Pressekonferenz, jeweils mit Tag und Uhrzeit.
- Fachprofil prüfen.Für Automatisierung, Energie oder Antriebstechnik braucht es Dolmetscher, die die Begriffe des Fachgebiets sicher beherrschen.
- Angebote vergleichen.Team, Vorlaufzeit, Reise- und Übernachtungskosten sowie Technik sollten getrennt ausgewiesen sein.
- Honorarmodell festlegen.Tagessatz, Stundensatz oder Halbtagessatz, dazu Regeln für Überstunden, Nachtarbeit und kurzfristige Änderungen.
- Standplatz und Technik abstimmen.Kabine, Strom, Sichtverbindung und Zahl der Empfänger mit Standbau und Messeleitung klären.
- Briefing und Glossar verschicken.Präsentationen, Datenblätter und Firmenbegriffe zwei Wochen vor Messebeginn an das Team senden.
- Ansprechpartner vor Ort benennen.Eine feste Person koordiniert Technik, Dolmetscher und Gäste und ist beim Techniktest vor Messebeginn dabei.
Abstimmung mit Standbau und Messeleitung
Kabinen brauchen Platz, Strom und eine freie Sicht auf Bühne oder Leinwand. Wer diese Punkte erst beim Aufbau klärt, verliert Zeit und manchmal den besten Standplatz. Die Messeleitung in Hannover, die Deutsche Messe AG, hat eigene Vorgaben zu Aufbauten und Genehmigungen, die früh eingesehen werden sollten.
Auch die Akustik der Halle ist ein Planungsfaktor. Ohne schallgedämmte Kabine hören Dolmetscher den Redner schlecht und das Publikum die Übersetzung unsauber. Ein kurzer Test vor Messebeginn verhindert Überraschungen.
Technische Ausstattung für Simultandolmetschen
Simultandolmetschen funktioniert nur mit einer Kette, die lückenlos ist: Mikrofon, Mischpult, Dolmetscherkonsole, Sender, Empfänger, Kopfhörer. Fällt ein Glied aus, hört das Publikum nichts. Deshalb gehört zur Planung immer eine Reserve.
Für kleine Formate reichen tragbare Kabinen, die in wenigen Stunden aufgebaut sind. Große Bühnen brauchen feste Kabinen mit Sichtverbindung und getrennter Tonregie. Die Zahl der Empfänger richtet sich nach der erwarteten Zuhörerzahl plus Reserve.
Diese Technik gehört zur Grundausstattung
Grundausstattung Simultandolmetschen
- Schallgedämmte Kabine, bei zwei Sprachen getrennt
- Konsole mit Kanalwahl und Stummschaltung
- Sender und Empfänger mit geladenen Akkus
- Kopfhörer in ausreichender Zahl, inklusive Ersatz
- Mischpult mit eigener Regie
- Aufnahmemöglichkeit für Protokolle und Mitschnitte
- Techniker vor Ort während der Veranstaltung
- Dolmetscherkabinen, tragbar für kleine Formate oder fest aufgebaut für große Bühnen, mit Sichtverbindung zum Redner.
- Dolmetscherkonsolemit Mikrofon, Kopfhörer und Kanalwahl je Sprache.
- Mischpult und Tonregie, getrennt von der Beschallung des Stands.
- Sendetechnik, kabellos oder kabelgebunden, mit Reservekanal.
- Empfänger und Kopfhörerfür die erwartete Zuhörerzahl plus Reserve.
- Stromversorgung und Verkabelungmit eigener Absicherung am Stand.
- Rednermikrofonean Podium, Bühne und für Fragen aus dem Publikum.
- Frequenzkoordinationfür kabellose Strecken, abgestimmt mit der Messeleitung.
- Reservegerätefür Konsole, Sender und Empfänger.
Störungen vermeiden
Funkbasierte Systeme sind störanfällig, wenn in der Halle viele Geräte auf denselben Frequenzen senden. Eine Frequenzkoordination mit der Messeleitung ist deshalb Pflicht. Die Zuteilung von Funkfrequenzen liegt in Deutschland bei der Bundesnetzagentur, die Abstimmung auf dem Messegelände kommt hinzu. Kabelgebundene Systeme sind sicherer, aber aufwendiger im Aufbau.
Für hybride Formate kommt Ferndolmetschen infrage. Die Dolmetscher arbeiten dann aus einem Studio und werden per Videokonferenz zugeschaltet. Das spart Reisekosten, verlangt aber stabile Leitungen und eine klare Tonführung.
So entstehen Dolmetscherhonorare
Dolmetscherhonorare sind frei verhandelbar; eine allgemein verbindliche Preisliste gibt es nicht. Staatlich geregelt ist allein die Vergütung in gerichtlichen Verfahren: Das Justizvergütungs- und -Entschädigungsgesetz regelt die Vergütung von Dolmetschern und wird für Messeeinsätze häufig als grobe Untergrenze herangezogen. Die geltenden Sätze lassen sich über das amtliche Portal Gesetze im Internet einsehen.
Abrechnungsmodelle im Vergleich
Modell
- Tagessatz
- Pauschale pro Dolmetscher und Tag
- Stundensatz
- Abrechnung nach Einsatzzeit, oft Mindestdauer
- Halbtagessatz
- Pauschale für bis zu vier Stunden
Beschreibung
- Tagessatz
- Bühnen, Podien, ganztägig
- Stundensatz
- kurze Standgespräche
- Halbtagessatz
- Vor- oder Nachmittagstermine
Geeignet für
- Tagessatz
- Stundensatz
- Halbtagessatz
Wer prüfen will, welche Regelungen zu Dolmetschen und Honoraren im Bundesrecht existieren, kann die Volltextsuche im amtlichen Portal Gesetze im Internet nutzen. Sie listet Gesetze und Verordnungen, die den Begriff enthalten, und hilft bei der Einordnung, welche Sätze staatlich geregelt sind und welche frei vereinbart werden.
Für Messeeinsätze liegen die Tagessätze je nach Sprache, Fachgebiet und Erfahrung meist deutlich über den Justizsätzen. Hinzu kommen Aufschläge für seltene Sprachen, Nachtarbeit, Wochenenden und kurzfristige Buchungen.
Typische Abrechnungsmodelle
Beschreibung
- Tagessatz
- Pauschale pro Dolmetscher und Tag
- Stundensatz
- Abrechnung nach Einsatzzeit, oft mit Mindestdauer
- Halbtagessatz
- Pauschale für bis zu vier Stunden
- Projektpauschale
- Festpreis für Messe inklusive Technik
Geeignet für
- Tagessatz
- Bühnen, Podien, ganztägige Einsätze
- Stundensatz
- kurze Standgespräche
- Halbtagessatz
- Vormittags- oder Nachmittagstermine
- Projektpauschale
- komplette Standbetreuung
Was den Preis beeinflusst
Die Sprachkombination ist der stärkste Faktor. Für Englisch und Französisch gibt es mehr Anbieter als für Japanisch, Koreanisch oder Arabisch. Auch das Fachgebiet zählt: Wer Antriebstechnik oder Normen sicher beherrscht, verlangt mehr als eine allgemeine Kraft.
Reise- und Übernachtungskosten kommen bei auswärtigen Dolmetschern hinzu. Hannover ist während der Messe ausgebucht, Hotelpreise steigen. Wer früh bucht, sichert sich günstigere Kontingente.
Praktische Tipps für Aussteller und Besucher
Aussteller sollten Dolmetscher nicht als Kostenposition am Rand behandeln. Ein gut gebrieftes Team gewinnt Vertrauen am Stand und verkürzt Verhandlungen. Ein schlecht gebrieftes Team kostet Zeit und manchmal den Abschluss.
Vorbereitendes Material hilft mehr als jede Technik. Produktdatenblätter, Präsentationen und ein Glossar mit Firmenbegriffen sollten zwei Wochen vor der Messe bei den Dolmetschern liegen. Fachbegriffe, die nur im eigenen Haus üblich sind, gehören ausdrücklich ins Glossar.
Praxisbeispiel: Standgespräch mit japanischem Einkäufer
Ein Automatisierungsanbieter erwartet eine Delegation aus Japan. Geplant sind zwei Tage Standbetreuung, dazu ein Podium mit vierzig Gästen. Das Team besteht aus zwei Dolmetschern für Japanisch, einer Kabine und vierzig Empfängern. Die Dolmetscher erhalten vorab Datenblätter und ein Glossar mit Steuerungsbegriffen.
Am Stand übernimmt eine feste Ansprechpartnerin die Koordination. Nach zwei Tagen steht die Absichtserklärung, ohne dass ein Gespräch wegen Sprachproblemen abgebrochen wurde.
Für Besucher
Wer als Besucher mit Dolmetschbedarf anreist, sollte Termine vorab anmelden. Viele Aussteller stellen Sprachmittlung nur nach Anfrage bereit. Empfänger für Simultandolmetschen werden oft an der Kabine ausgegeben, ein Pfand ist üblich.
Für Führungen über die Messe lohnt sich die Frage nach Gruppenangeboten. Wer mehrere Stände mit derselben Sprache besucht, kann einen Dolmetscher für den ganzen Tag buchen und teilt die Kosten mit anderen Teilnehmern.
Typische Fehler
Zu späte Buchung, fehlendes Glossar und ungeklärte Technik sind die drei häufigsten Probleme. Wer diese Punkte früh abarbeitet, spart Geld und Nerven. Ein Techniktest vor Messebeginn gehört zur Grundplanung, nicht zur Kür.



